Was ist ein MVP?

Der Hauptgrund, warum Startups scheitern, ist ein falsches (oder erst gar nicht vorhandenes!) Verständnis der Marktbedürfnisse. Um zu vermeiden, dass Produkte entwickelt werden, die niemand will, testen Startups ihre Geschäftsideen zunächst mit einem Minimum Viable Product (MVP) – also einem minimal funktionsfähigen Produkt – am Markt. In diesem Beitrag erfährst du, was ein MVP eigentlich genau ist, welche Vorteile ein MVP für dein Startup mit sich bringt und was du bei dessen Entwicklung und Umsetzung beachten solltest.

Am Anfang aller unternehmerischen Bemühungen steht die Geschäftsidee. In unseren Köpfen mahlen wir uns aus, welch grossartigen Produkte die Welt doch braucht und sind bereit, mit unserem Startup Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Die Realität zeichnet in den meisten Fällen aber ein anderes Bild: 9 von 10 Startups scheitern. Der Hauptgrund ist ein falsches (oder erst gar nicht vorhandenes) Verständnis der Marktbedürfnisse. Und gleich darauf folgt Geldmangel.

Zu viele Startups entwickeln also blind Produkte, um dann erst zu spät zu bemerken, dass sich dafür unter realen, harten Marktbedingungen gar keine zahlenden Kund*innen finden lassen.

Vielleicht hast auch du bereits eine grosse Vision, wie deine Idee aussehen soll oder möchtest mit deinem Startup gar eine ganze Industrie revolutionieren.

Bevor du aber viel Geld in die Entwicklung deiner Ideen investierst, solltest du als Gründer*in die Vision deines Produkts oder deiner Dienstleistung in kleinere Schritte zerlegen und deine Ideen vor allem zunächst einmal mit einem MVP am Markt testen!

Das Zauberwort lautet Minimum Viable Product (MVP)

Nun ist es also soweit: Du hast in der Ideenphase alles erforscht, was du konntest, und jetzt musst du den riskanten Sprung in die nächste Phase wagen.

Strategisch gesehen solltest du deine Energie und dein – wahrscheinlich begrenztes – Budget nun in das investieren, was für deine Kund*innen echten Mehrwert schafft!

In genau dieser Phase haben wir als Venture Builder bereits viele Startups unterstützt und dabei immer wieder folgendes festgestellt: Damit ein Startup erfolgreich wird, muss es schnell lernen, was seine Zielgruppe genau bewegt und wie das Produkt gestaltet werden muss, damit es am Markt auch wirklich angenommen wird.

Dementsprechend steht schnelles Lernen absolut im Vordergrund: Ab einem gewissen Zeitpunkt müssen echte und zeitnahe Reaktionen auf ein konkretes, auf dem Markt bestehendes Angebot gesammelt werden – denn schlussendlich sind nur diese wirklich zuverlässig!

Aber denk dabei immer daran: Du bist nicht der Markt! Du als Mensch bist einzigartig und deshalb leider nicht repräsentativ für die grosse Masse des Marktes…

Es kann also sehr gut sein, dass die Idee eines Produkts in der Theorie großartig erscheint, in der Praxis dann aber gnadenlos floppt. Und aus genau diesem Grund solltest du als Gründer*in mit deinem Team kein Risiko eingehen und vor allem nicht von Anfang an viel Geld in die Entwicklung investieren.

Viel schlauer ist es nämlich, wenn du die Vision deines Produkts oder deiner Dienstleistung in kleine Schritte zerlegst und deine Ideen zunächst Schritt für Schritt am Markt testest!

An dieser Stelle kommt dementsprechend das Minimum Viable Product (MVP, zu Deutsch ein «minimal funktionsfähiges Produkt») ins Spiel.

MVPs werden erstellt, um Hypothesen über das konzipierte Produkt zu testen und somit empirisch zu prüfen, ob es wertvoll und auf dem Markt gefragt sein wird.

Ein MVP ist also eine Vorversion eines geplanten Produkts, die mit dem Ziel gebaut wird, am realen Markt zu lernen.

Ein MVP enthält daher auch nur die für den Zweck und die Nutzung relevanten Kernfunktionen. Alles andere wird zunächst weggelassen.

Das Ziel eines MVPs ist es, herauszufinden, ob das Bedürfnis am Markt besteht und ob es ausreichend gross ist, damit die Menschen auch Geld dafür bezahlen (und du damit mit deinem geplanten Geschäftsmodell profitabel wirtschaften kannst).

Das wohl bekannteste Beispiel (und definitiv eines der Besten!), das erklärt, was ein MVP genau ist, stammt von Henrik Kniberg:

Was ist ein MVP - Ein anschauliches Beispiel von Henrik Kniberg Making sense of MVP (Minimum Viable Product) – and why I prefer Earliest Testable/Usable/Lovable
Henrik Kniberg: Making sense of MVP (Minimum Viable Product) – and why I prefer Earliest Testable/Usable/Lovable

Stellen wir uns kurz vor, dass uns über die letzten Monate aufgefallen ist, dass die Menschen um uns herum immer in Eile sind und zu spät bei Terminen auftauchen.

Wir beschliessen, etwas gegen diesen Stress zu unternehmen und tüfteln an unterschiedlichen Lösungen. Plötzlich haben wir DIE Idee, und die Vision unseres Startups ist geboren: Ein Auto für jedermann/-frau muss her!

Das zugrunde liegende Marktbedürfnis, das wir untersuchen und beweisen wollen, lautet in diesem Fall also: «Ich muss schneller von A nach B kommen!».

Um zu lernen, wie die perfekte Endlösung des Produktes (in diesem Falle das Auto) genau aussehen muss, liefern wir zunächst die kleinstmögliche Sache, die uns einfällt, damit potenziellen Kund*innen das Bedürfnis testen und uns Feedback geben können: Ein Skateboard!

Das ist vielleicht noch nicht grossartig, aber besser als Nichts. Das Wichtigste ist, dass die Kund*innen etwas testen können und wir – nicht selten auch überraschendes – Feedback erhalten.

Vielleicht mögen die Kund*innen das Skateboard nicht. Auf Nachfrage erfahren wir, dass sie eine andere Farbe bevorzugen. Wir machen das Skateboard Blau und haben plötzlich ein erfolgreiches Produkt am Markt. Zum Glück haben wir viel Geld gespart und nicht gleich von Anfang an das (nun unnötige) teure Auto bauen lassen!

Vielleicht mögen sie das Skateboard aber auch nicht, weil sie damit schnell umfallen und sich verletzen. Damit ist die nächste Iteration des Produktes fällig: Wir fügen als nächstes Feature einen Lenker hinzu und schauen, was passiert, wenn wir den Kund*innen einen Tretroller an die Hand geben.

Basierend auf diesem Feedback entwickeln wir dann wiederum das nächste Feature, das wir natürlich auch sogleich testen lassen. Wahrscheinlich ist dir nun das Prinzip hinter einem MVP sonnenklar – gehen wir, bevor wir dich langweilen, weiter.

Wir denken bei einem MVP also gross, liefern aber in kleinen, funktionalen Schritten und fügen dabei nur diejenigen Features an, die für die Befriedigung des Bedürfnisses nötig sind resp. von den Kund*innen verlangt werden.

Merke dir dabei vor allem eines: Es ist eher unwahrscheinlich, dass potenzielle Kund*innen mit deinem ersten MVP total zufrieden sein werden. Das ist aber auch völlig in Ordnung, schliesslich ist das ja auch erst die erste Iteration deines Produkts und dein Hauptziel ist, zu lernen!

Quote für Startups zum Minimum Viable Product MVP von Reid Hoffmann Linkedin

Es ist daher also wichtig, dass du als Gründer*in mit deinem Team bereits in der Einführungsphase des Produktlebenszyklus mit der Entwicklung eines MVPs startest.

Die Erkenntnisse, die man durch das Testen mit dem Minimum Viable Product gewinnt, sowie das Feedback der Zielgruppe zeigen, ob es sich lohnt, das Produkt weiter zu entwickeln und das Startup weiterhin voran zu treiben.

Was sind die Vorteile eines MVPs?

Damit sind wir bei den Vorteilen eines MVPs angekommen, welche praktisch schon klar sein dürften:

  • Speed: Mit einem MVP können Gründer*innen mit wenig Kapital schnell am Markt starten und sofortige, erste Ergebnisse erzielen.
  • Sicherheit: Ein guter MVP zeigt, ob die gewählte Technologie am Markt zuverlässig zum Einsatz kommt und erbringt damit den Beweis, dass das Produkt und das dahintersteckende Businessmodell funktioniert.
  • Kostenersparnisse: Wer den MVP-Ansatz verfolgt, senkt insgesamt das finanzielle Risiko für alle involvierten Parteien – schliesslich wird nichts entwickelt, was nicht von Bedeutung ist! Erfolge und auch Nicht-Erfolge zeigen sich schnell und können dementsprechend beeinflusst werden, bevor es zu spät ist.
  • Kundenakzeptanz: Da ein MVP fortlaufend an und von echten Kund*innen getestet und auf deren Feedback weiterentwickelt wird, entsteht schlussendlich ein Produkt, dass verstanden, angenommen und geliebt wird.

Und was kann ich lernen, wenn ich mit meinem Team den MVP-Ansatz verfolge?

Nebst all den Vorteilen, die ein MVP mit sich bringt, ist ein MVP auch ein persönlicher Test für die Gründer*innen und deren Startup-Team.

Es ist nicht einfach, ein Produkt erfolgreich an den Markt zu bringen – auch eine Vorversion nicht. Mit einem MVP zeigt sich, wer über ausreichend Biss verfügt (oder jedenfalls schon mal das Potenzial dazu mitbringt) und welche Fähigkeiten benötigt werden, resp. welche noch fehlen, damit einer erfolgreichen Skalierung nichts mehr im Wege steht. 

Gründer*innen und ihre Teamkolleg*innen lernen bei der Entwicklung des MVPs also auch Vieles, das für den weiteren Startup-Aufbau von Bedeutung sein wird:

  1. Nur Kund*innen erzeugen echtes Feedback: Das Problem und der damit einhergehende „pain“, der durch das Produkt adressiert wird, existiert bei allen Mitarbeitenden (meist) nur in der Vorstellung. Da sie sich tagein, tagaus damit beschäftigen, sind sie automatisch tendenziell biased – und das ist gefährlich!
  2. Erst wenn’s ums Geld geht, geht’s ans Eingemachte: Early Adopters und Innovator*innen kaufen oft aus anderen Gründen, als den echten, durchs Produkt erzeugten Mehrwert. Solche «friendly Customers» sind zwar hilfreich, aber erst zahlende Kund*innen sagen dir ehrlich, was gut und schlecht ist. Erstaunlicherweise spielt es dabei gar keine so grosse Rolle, wie viel sie bezahlen müssen – solange es mehr als 0 ist, ist alles gut.
  3. Der Anspruch an Perfektion ist gut, aber gefährlich: Der Anspruch an Perfektion verzögert die Release-Zyklen und damit wertvolles Kundenfeedback. Es ist selten gut, wenn etwas zu lange entwickelt wird. Gut genug ist gerade in frühen Phasen besser als perfekt!
  4. Pivotieren ist nicht schlecht: Wer pivotieren kann, wenn es darauf ankommt, ist definitiv im Vorteil. Zudem zeugt es davon, dass stetig neue kreative Lösungen für ein Problem gesucht werden (Agilität). Aber Vorsicht: Man sollte nicht mehr als ein Parameter gleichzeitig verändern, ansonsten können keine fundierten Rückschlüsse gezogen werden.
  5. Viel Budget führt nicht automatisch zu einem guten Produkt: Grosse Teams wirken zwar geschäftig und zeugen vermeintlich von Erfolg, allerdings können sie auch vom Kundenfokus ablenken. Kürzere Runways zwingen zu Entscheidungen – und eine konsequent agile Vorgehensweise steigert sogar den Wert eines Startups.

 

Fazit zum MVP: Done is better than perfect!

Da du nun weisst, was ein MVP genau ist und welche Vorteile dieser Lean Startup Ansatz mit sich bringt, bleibt dir eigentlich nur noch Eines: Ärmel hochkrempeln und loslegen!

Nebst ordentlichem Macher-Drang brauchst du zudem den Willen und die Bereitschaft, am Markt experimentieren zu wollen. Wer mutig ist und schnell lernt, hat gegenüber anderen einen riesigen Vorteil – auch wenn das Produkt nicht von Anfang an gleich perfekt ist.

Dazu gehört auch, dass du die Funktionen deines Minimum Viable Products von Beginn an priorisieren musst. Nur so kannst du alles ordentlich testen und die Ergebnisse und Feedbacks richtig einordnen.

Fokussiere dich also auf das Wesentliche und lass im Zweifel noch ein Feature weg. Noch geht es nicht darum, dass dein Produkt möglichst «schön» aussieht – viel wichtiger für deine Kund*innen ist, dass ihr Problem so schnell wie möglich gelöst wird!

Und denk dabei auch an dein Startup: Es nutzt dir, deinem Team und deinem Unternehmen gar nichts, wenn ihr zwar ein Schönes, aber ein falsches Produkt für die anvisierte Zielgruppe entwickelt habt…

Wir hoffen, wir konnten dich mit diesem Beitrag davon überzeugen, dass es in jedem Fall für ein Startup Sinn macht, mit einem MVP zu starten.

Damit dir dein Start nun optimal gelingt, solltest du dich in einem ersten Schritt zunächst damit auseinandersetzen, welche Art von MVP für dein Vorhaben am besten geeignet ist. Wir empfehlen dir, hierfür unserem Blogbeitrag Die 5 wichtigsten MVP-Arten für Startups zu lesen – happy reading!

Wir bringen dein Startup mit dem richtigen MVP an den Markt – jetzt!

Wir entwickeln mit dir und für dich die erste Version deines Produktes – dein Minimum Viable Product (MVP). Mit diesem auf den Kern reduzierten Prototypen belegen wir deine Produkt- und Businessidee am Markt. Damit du bereits in rund 10 Wochen deine ersten Kund*innen glücklich machen und durchstarten kannst!

Lass uns gemeinsam loslegen und beweisen, dass der Markt für dein Startup bereit ist – und zwar mit einem echten Produkt:

Ich will mit meinem Startup loslegen!